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Plettenberg
Detlef Steinert,
dlz-Chefredakteur
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Liebe Leserinnen und Leser,
während Sie jede trockene Minute nutzen mussten, um noch das Beste aus den eh schon schwierigen Erntebedingungen in diesem Sommer zu machen, tourte Kanzlerin Merkel quer durchs Land, um ein anderes Feld zu bestellen. Quer durch die Republik stattete sie Unternehmen der Energiewirtschaft ihren Besuch ab. Großen Konzernen ebenso wie kleinen innovativen Betrieben. Windkraftanlagen ebenso wie der Strombörse in Leipzig oder Anlagenbauern. Ein lauter Reisebegleiter war dabei die Diskussion über die Laufzeit von Kernkraftwerken.
Auf den ersten Blick könnte das Landwirten egal sein. Wäre da nicht der Plan der Bundesregierung, Ende September ein Energiekonzept vorzulegen. Dieses soll aufzeigen, wie das ehrgeizige Ziel von 30 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in 2020 zu stemmen ist. Hier schließt sich der Kreis. Denn: wie die Bundesregierung mit der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke umgeht, beeinflusst mittelbar auch die Stellung der Landwirte als Energieerzeuger. Ob es eine Brennelementesteuer geben wird, oder die Betreiber der Atomkraftwerke anderweitig zur Kasse gebeten werden, ist fast egal. Am Ende werden sie wohl nur einen Bruchteil dessen abdrücken müssen, was sie mit ihren abgeschriebenen Anlagen verdienen: jährlich etwa 2,3 bis 2,8 von insgesamt rund 7 Mrd. Euro, die eine Laufzeitverlängerung aller deutschen Reaktoren um ein Jahr wert ist.
Profiteure sind in jedem Fall die vier großen Energieversorger in Deutschland: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Einen erklecklichen Teil werden sie im Vorbeigehen als Gewinn einstreichen, einen anderen Batzen investieren, um ihre Position bei den erneuerbaren Energien massiv auszubauen. Schließlich wollen sie 2020 immer noch ganz vorne mitmischen. Zu befürchten ist, dass die Vorreiter der erneuerbaren Energien - meist kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie die Landwirtschaft - den Kürzeren ziehen. Dabei waren sie die Treiber und haben Jahre vor den großen Konzernen die Chancen der Bioenergie erkannt und vorangetrieben. Mit innovativen und kreativen Ideen, die sich die Großen nun zum Teil nicht scheuen, in ungeahnten Dimensionen abzukupfern. Den Milliarden der Konzerne haben die Kleinen allenfalls ihre Innovationskraft entgegenzusetzen, und speziell die Landwirtschaft noch den direkten Zugriff auf die Biomasse als Rohstoff. Da helfen Zugeständnisse im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) nur wenig in dem Kampf mit ungleichen Waffen.
Übrigens: offiziell sah der Reiseplan der Kanzlerin nicht vor, dass sie bei Landwirten Station macht, um sich zum Beispiel über deren Solar- oder
Biogasprojekte zu informieren. Hoffentlich ist das nicht als Signal zu werten, dass für sie Landwirte als unverzichtbarer Teil eines Energiekonzeptes bereits abgehackt sind. Wenn dem so wäre, liegt es am Berufsstand ihr bis Ende September deutlich zu machen: ohne Landwirte und deren Fähigkeiten, in Stoffkreisläufen Energie bereit zu stellen, geht es nicht!