Jubilaren klopft man gerne auf die Schulter und erinnert an ihre großartigen Leistungen. Da Ihre dlz mit diesem Heft den 60. Jahrgang feiert, wollen wir das Prinzip zum Einstieg ausnahmsweise umkehren. Wir stellen nicht die Leistungen der Zeitschrift in den Vordergrund, wie es manche Top-Zeitgenossen gerne tun, sondern zeigen was unsere Leser drauf haben und in Zukunft drauf haben werden. Dabei werden wir Sie weiter begleiten.
Wer die vergangenen 60 Jahre auf den Höfen miterlebt hat, weiß welches Engagement landwirtschaftliche Familien in dieser Zeit vollbracht haben. Wen verwundert es, wenn aktuell der Arbeitseinsatz der Familien mit fast 1800 Stunden je Erwerbstätigen, mit 23 Prozent deutlich über dem Durchschnitt liegt. Die enormen Leistungsteigerungen belegen, dass Landwirte bereit sind, schnell auf neue Technologien zu setzen, wenn sie Vorteile für ihren Betrieb und die Nahrungsmittelsicherheit bieten. Nicht umsonst können Landwirte die zweithöchste Steigerung der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen vorweisen. So ist sie seit 1991 um 87 Prozent gestiegen, nur das produzierende Gewerbe war mit einem Plus von 92 Prozent besser. Die deutsche Wirtschaft insgesamt kam dagegen nur auf ein Plus von 53 Prozent. Die dlz-Redaktion gratuliert!
Jedes Jahr eine Dezitonne mehr
Bei Winterweizen haben die Landwirte seit den 50er-Jahren bis heute einen Ertragszuwachs wie aus dem Bilderbuch erzielt: Die deutschen Bauern ernten jedes Jahr rund eine Dezitonne mehr je Hektar. Mittlerweile leistet der Züchtungsfortschritt den überwiegenden Anteil am Mehr-ertrag – aber es liegt am Können der Landwirte dieses Potenzial durch angemessene Anbaumethoden und Bestandsführung auszuschöpfen. Nur mit Hilfe der Züchtung werden wir künftig trotz neuer Krankheiten und Klimaveränderungen Mehrerträge von ein bis zwei Prozent jährlich erreichen. 2020 werden wir 90 dt/ha und 2070 gut 140 dt/ha vom Acker fahren. So viel ernten Ackerbauern in England bereits heute.
Stickstoffdüngung pendelt sich ein
Nicht viel hilft viel, sondern das richtige Maß, das ökologisch vertretbar und ökonomisch sinnvoll ist, bestimmt den N-Düngeraufwand der Landwirte. Der Einsatz wird effizienter, auch dank stabilisierter Dünger. Westeuropa entwickelt sich zunehmend zu einer klimatisch begünstigten Region mit eher steigendem als fallendem Stickstoffaufwand, trotz volatiler Preise.
So viele Menschen ernährt ein Landwirt
Vor allem in den letzten Jahrzehnten konnten Landwirte deutlich mehr Menschen ernähren als je zuvor. Derzeit sind es rund 135 Menschen, die ein Landwirt ernährt. Geht die Entwicklung der letzten Jahre so weiter wären es 2070 gut 360 Menschen. Schwächt sich der Trend ab, wären es etwa 170 Menschen.
Immer weniger Arbeitskräfte
Der Produktivitätsfortschritt wird besonders am Arbeitskräfteeinsatz deutlich. Waren es 1950 über 39 AK/100 ha, sank die Zahl zuletzt auf 3,1/100 ha. Ein derart starker Rückgang ist in den kommenden 60 Jahren nicht zu erwarten. Sollten sich die neuen Techniken schnell durchsetzen, könnten in 60 Jahren auch nur noch 0,5 AK/100 ha denkbar sein. Verlangsamt sich der Fortschritt muss man eher von 1,4 AK/100 ha ausgehen.
Mastschweine: Immer höhere Tageszunahmen
Mit der Umzüchtung unserer Mastschweine weg vom Fett und hin zum Fleisch ging der Leistungsanstieg in den letzten 60 Jahren eher moderat vonstatten. Heute liegen die Masttagszunahmen im Schnitt bei knapp 750 Gramm. Die Tatsache, dass die Dänen hier bereits 870 Gramm erreichen und Spitzenbetriebe, auch hierzulande, gar 950 bis 1000 Gramm im Visier haben, zeigt das große genetische Potenzial auf. Um dieses auszunutzen, wird die Tiergesundheit künftig eine noch größere Rolle spielen.
20.000 Kilogramm Milchleistung sind denkbar
Die durchschnittliche Milchleistung einer deutschen Kuh hat sich seit 1951 von rund 3840 auf aktuell 7880 Kilogramm erhöht. In welchem Umfang sich der Leistungsanstieg fortsetzt, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Experten spekulieren, dass sie sich zwischen 10000 und 20000 Kilogramm einpendelt. Sie sagen aber auch, dass Leistung künftig nicht der entscheidende Faktor sein wird. Vielmehr werden Nachhaltigkeit und Milchinhaltsstoffe im Fokus künftiger Erzeugung stehen. (jo/ks/tg/br)
Dieser Beitrag ist in der Jubiläums-dlz 6/2009 erschienen.